Auf der Suche nach der Persönlichkeit
Eine Reise durch den "Inneren Menschen"
1. Teil
 
 
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"Auf der Suche nach der Persönlichkeit"
"Was macht den Menschen zur Person?"
"Die Persönlichkeit wird errforscht"
"Versuch Persönlichkeit zu klassifizieren 1"
"Versuch Persönlichkeit zu klassifizieren 2"
"Der Weg der Entwicklung"
"Welt der Persönlichkeitseigenschaften"
"Theorien über die Persönlichkeit 1"
"Theorien über die Persönlichkeit 2"
"Psychologische Merkmale in Diagnostik1"
"Psychologische Merkmale in Diagnostik2"
"Betrachtungen zum Ich"
"Einmaligkeit des Individuums"
"Bedeutungsvielfalt des Selbst 1"
"Bedeutungsvielfalt des Selbst 2"
"Bedeutungsvielfalt des Selbst 3"
"Innenansichten vom Selbst"
"Achtsamer Umgang mit dem Selbst"
"Intelligenz wird greifbar 1"
"Intelligenz wird greifbar 2"
"Intelligenz wird greifbar 3"
"Jenseits der Intelligenz 1"
"Jenseits der Intelligenz 2"
"Eignungsdiagnostik 1"
"Eignungsdiagnostik 2"
"Diversität und Persönlichkeit 1"
"Diversität und Persönlichkeit 2"
"Diversität und Persönlichkeit 3"
"Diversität und Persönlichkeit 4"
"Aufbruch in neue Dimensionen 1"
 
Auf der Suche nach der Persönlichkeit

Persönlichkeit in der Philosophie   
Der Begriff der Persönlichkeit, nicht zu verwechseln mit den Begriffen Person, Individuum oder Individualität - diesen sind eigene Kapitel gewidmet - stand vor Beginn der Neuzeit vor allem im Kontext zur Theologie und bezog sich auf die Trinität der drei göttlichen Persönlichkeiten. Die Neuzeit ist eine der drei historischen Großepochen. Sie folgt auf das europäische Mittelalter und dauert bis heute an. Die Geschichtswissenschaft ist über den genauen Beginn uneins. Meist wird entweder die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 oder die Entdeckung des amerikanischen Kontinents 1492 als Beginn benannt. In Deutschland wurde meist Martin Luthers Reformation von 1517 angeführt. Weitere genannte Zäsuren sind die Renaissance, der Humanismus und die Entwicklung des Buchdrucks durch Gutenberg in Europa. Üblicher Weise verwendet man in der heutigen Geschichtswissenschaft das Jahr 1500 als Beginn.

Erst mit dem Engländer John Locke löst sich der Begriff der Persönlichkeit von der Theologie: „(Persönlichkeit) kommt nur intelligenten Akteuren zu, die zu einem Gesetz fähig sind, sowie zu Glück und Leiden. Diese Persönlichkeit erstreckt sich über ihre gegenwärtige Existenz hinaus in die Vergangenheit, allein durch das Bewusstsein, wodurch sie ihre eigenen, früheren Handlungen betreffen, und sie für diese verantwortlich ist, und diese zu ihr gehören und ihr zugeschrieben werden.“ — im Originaltext: „(Person) belongs only to intelligent agents, capable of a law, and happiness and misery. This personality extends itself beyond present existence to what is past, only by consciousness, whereby it becomes concerned and accountable, owns and imputes to itself past actions.“ (Aus: John Locke, An essay concerning human understanding, London 1690)
 
Der Erste, der dann explizit zwischen der Person und der Persönlichkeit unterscheidet ist der Philosoph Immanuel Kant: „die Freiheit und Unabhängigkeit von dem Mechanism der ganzen Natur, doch zugleich als ein Vermögen eines Wesens betrachtet, welches eigenthümlichen, nämlich von seiner eigenen Vernunft gegebenen, reinen praktischen Gesetzen, die Person also, als zur Sinnenwelt gehörig, ihrer eigenen P. unterworfen ist, sofern sie zugleich zur intelligibelen Welt gehört.“ (Aus: Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft. I, 1, 3. Akad.-A. 5, 87) Für Kant erscheint der Mensch in der Persönlichkeit selbst erst in seiner Würde. Deren Autonomie eröffnet die Möglichkeit zur freien sittlichen Selbstbestimmung.

Im Zentrum der Bildungstheorien von Friedrich Schiller und  Wilhelm von Humboldt steht dann die Bildung der Persönlichkeit. Seinerzeit fand der Begriff der Person zunehmendes Interesse in der Diskussion über die Menschenwürde und Menschenrechte, über die Selbstbestimmung, auch im Hinblick auf lebensverlängernde Maßnahmen und in der Auseinandersetzung über die Willensfreiheit. Allerdings steht die in den Neurowissenschaften sichtbare Tendenz zur Naturalisierung der Person im Gegensatz zur Überzeugung, dass eine eigengesetzliche geistig-seelische Personalität besteht. (sogenanntes Leib-Seele-Problem)

Persönlichkeit in der Psychologie
In der Psychologie ist Persönlichkeit einer der bedeutendsten und zentralen Begriffe. Viele differenzierte Fragestellungen und empirische Forschungsansätze sind durch die Intension bestimmt, allgemein erklären zu wollen und im Einzelfall zu verstehen, wie sich eine Persönlichkeit mit ihren verschiedenen Eigenschaften unter bestimmten Veranlagungen und Bedingungen des Umfelds komplex entwickelt. Auch werden vielfältige Anstrengungen unternommen zu beschreiben, wie sich eine Persönlichkeit verändert, wie sie in der psychologischen Praxis konkret beschrieben, in differenzierten Verhaltensweisen vorhergesagt und eventuell nachhaltig beeinflusst werden kann. Dennoch gibt es bis zum heutigen Tag keine eindeutige Definition des Begriffs der Persönlichkeit.

In den Lehrbüchern der Psychologie werden zahlreiche Auffassungen detailliert dargestellt. Oft wird auf Gordon Allport hingewiesen oder dieser zitiert, da er 49 verschiedene Definitionen der Persönlichkeit beschrieb und eine eigene dann als fünfzigste 1959 hinzufügte: „Persönlichkeit ist die dynamische Ordnung derjenigen psychophysischen Systeme im Individuum, die seine einzigartigen Anpassungen an seine Umwelt bestimmen.“ Beginnend mit dem Ausgang jenes Jahrzehnts wurden unzählige weitere Definitionen verfasst, die die unterschiedlichen Auffassungen und Absichten, deren dezidierte Anwendungsgebiete sowie die Menschenbilder der jeweiligen Autoren spiegeln.

Die Bedeutung  wesentlicher Funktionen und Kräfte in dem dynamischen System Persönlichkeit wird in den einzelnen Persönlichkeitstheorien sehr different wahrgenommen. Die Persönlichkeitspsychologie unterscheidet sich in der Absicht, in einem Profil der Eigenschaften das Besondere einer Persönlichkeit zu beschreiben und auf die innere Organisation zurückzuführen, von der hauptsächlich auf die Vielfalt der Einzelmerkmale ausgerichteten und systematisch beschreibenden Differentiellen Psychologie. Diese beiden Sichtweisen ergänzen und befruchten sich wechselseitig. Die Differenzielle Psychologie ist zugleich die deskriptive Grundlage aller Persönlichkeitstheorien und damit verbundener Aufgabenstellungen der Angewandten Psychologie, die sich in der Regel auf die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den Menschen bezieht. Bedeutende Bereiche der Persönlichkeitsforschung sind die Persönlichkeitsentwicklung, die Grundlagen der Biopsychologie, der Interaktionismus (Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt), die Unterschiede der Geschlechter (Gender Studies) und die Kulturpsychologie (Persönlichkeit im Kulturvergleich).

Zur Geschichte der Persönlichkeitspsychologie
Die Persönlichkeitspsychologie hat eine sehr lange  Vorgeschichte, beginnend mit der fast 2500 Jahre alten Temperamentenlehre, die auf die Humoralpathologie oder Viersäftelehre zurückgeht und Hippokrates von Kós, einem griechischen Arzt, 460–375 v. Chr. zugeschrieben wird, der Erfahrungsseelenkunde (psychologische Konzeptionen der Aufklärungszeit) und Menschenkenntnis (Lebenserfahrung, Intuition, Intelligenz und Weisheit. Menschenkenntnis ist nicht angeboren, sondern man erwirbt sie durch den häufigen Umgang mit Menschen und durch Erfahrung mit vielen unterschiedlichen Menschen), sowie darüber hinaus in der Charakterologie. Deutschland verwendete lange Zeit die Begriffe Charakter und Charakterkunde (Philipp Lersch, Ludwig Klages, und Robert Heiß) sowie den biografischen Ansatz von Hans Thomae.

Von William Stern stammt der Begriff Personologie in Abgrenzung zur Differentiellen Psychologie. In Amerika zählen neben Gordon Allport auch Henry A. Murray, Joy Paul Guilford, Raymond B. Cattell, Hans Eysenck und Walter Mischel zu den frühen Pionieren der Persönlichkeits-forschung. Ihre detaillierten Arbeiten beeinflussten auch die neuere deutsche Persönlichkeitspsychologie. Nur in der von Hans Thomae entwickelten biographischen Persönlichkeitsforschung Anfang des 20. Jahrhunderts ist eine eigenständige Forschungsrichtung erkennbar. Fachpsychologen und Historiker der Psychologie haben verschiedentlich versucht, die Bedeutung und den Einfluss einzelner Persönlichkeitstheoretiker und ihrer Theorien zu vergleichen. Auch Autoren, die nicht im unmittelbaren Sinn Persönlichkeitsforscher waren, sollten nicht unerwähnt bleiben, da ihre Arbeit ebenfalls einen weitreichenden Einfluss hat. Dazu gehören u.a. Sigmund Freud, Carl Rogers und B.F. Skinner.

Persönlichkeitseigenschaften in der Psychologie
(mehr dazu im 6. Teil - "Welt der Persönlichkeitseigenschaften")
Die Persönlichkeitseigenschaften sind auf der Basis von empirischen Daten der Differentiellen Psychologie abgeleitete theoretische Konzepte. Entgegen früherer Auffassungen gelten diese Eigenschaften heute nicht als starre Charakterzüge, sondern als relativ überdauernde Verhaltenstendenzen (Dispositionen), die sich über einen längeren Zeitraum hinweg entsprechend der verschiedenen erlebten Situationen manifestieren. Definition und Methodik der Persönlichkeitseigenschaften sind weiter unten beschrieben.

Persönlichkeitsentwicklung in der Psychologie
Ein wichtiges Thema der Entwicklungspsychologie ist die Entstehung der Persönlichkeitsmerkmale in der frühen Kindheit und Jugend und wie sie sich über die ganze Lebensspanne verändern können. Grundlegende Beiträge sind einerseits in der Entwicklungsbiologie und Humangenetik des Menschen zu finden sowie der Kulturanthropologie und Ethnologie, andererseits stammen diese aus den verschiedenen Arbeitsausrichtungen der Psychologie.

Besonderen Einfluss haben die folgenden Arbeiten:

* Biografische Persönlichkeitsforschung von Henry A. Murray, Hans Thomae
* Psychodynamischer Ansatz von Sigmund Freud, Alfred Adler, C. G. Jung
* Perspektive lebenslanger Entwicklung von Paul Baltes
* sozial-kognitives und handlungstheoretisches Konzept von Albert Bandura
* Stufenmodell psychosozialer Entwicklung und Identitätsfindung von Erik H. Erikson, James E. Marcia u.a.
* Strukturierung der Persönlichkeit durch Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse von Robert J. Havighurst, Sigrun-Heide Filipp
* Bindungstheorien nach John Bowlby, Mary D. Ainsworth

Über diese Arbeiten hinaus haben eine Vielzahl von detaillierten Studien im sozialwissenschaftlichen und im medizinischen Bereich, z.B. über Krankheitsdispositionen und Umwelteinflüsse, das Bild von der Persönlichkeitsentwicklung geprägt. Allerdings existiert gegenwärtig noch keine umfassende Theorie der Persönlichkeitsentwicklung, die die vielfältigen Einflüsse zusammenfassen kann, wie das Zusammenwirken der genetisch determinierten oder angeborenen oder früh erworbenen Unterschiede der Konstitution sowie die mannigfaltigen Einflüsse von Erziehung, Identitätsfindung, Selbstverwirklichung und Umwelt-bedingungen. Der Prozess von Individuation und Sozialisation ist noch nicht endgültig aufgeklärt.

Persönlichkeitstheorien in der Psychologie
(mehr dazu im 7. Teil - "Theorien über die Persönlichkeit")
In den Lehr- und Handbüchern der Persönlichkeitspsychologie sind Dutzende von Persönlichkeitstheorien dargestellt und nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt. Nach  Jens Asendorpf (2007) werden sieben Paradigmen, d.h. Forschungsansätze mit typischen Grundbegriffen, Fragestellungen und Methoden unterschieden:

* das psychoanalytische
* das behavioristische
* das Eigenschaftsparadigma
* das Informationsverarbeitungsparadigma
* das neurowissenschaftliche
* das dynamisch-interaktionistische
* das evolutionspsychologische

Dagegen findet sich bei Hermann-Josef Fisseni (1998) auch historisch ein wesentlich breiter aufgestelltes  Register. Dabei behandelt er 29 Theorien im Detail und erwähnt noch eine Vielzahl anderer. Er unterscheidet Theorien nach:

* psychodynamischen Persönlichkeitstheorien,
* konstitutionstypologischen Persönlichkeitstheorien,
* philosophisch-phänomenologischen Theorien,
* Schichttheorien zur Persönlichkeit,
* Theorien humanistischer Psychologie,
* kognitiven Persönlichkeitstheorien,
* faktorenanalytischen Persönlichkeitstheorien,
* interaktionalen Persönlichkeitstheorien.

Eine solche Vielfalt kann zu Irritationen führen, denn sie beweist, dass alle Entwürfe vorläufig sind, aber auch wie schwierig die Erarbeitung einer erschöpfenden Persönlichkeitstheorie ist. Die Ursachen dieses Pluralismus sind in den Unterschieden des Menschenbildes begründet sowie der Wissenschaftskonzeption der Psychologie selbst und den damit verbundenen Absichten, einen Geltungsbereich für die Theorie zu definieren.

Personen-Wahrnehmung und Alltagspsychologie
Persönlichkeitsforschung auf wissenschaftlicher Basis hat eine Entsprechung in der Populär-Psychologie (folk-psychology). Hier werden Eigenschaftsbegriffe definiert und psychologisch Versuche zur Erklärung der individuellen Unterschiedlichkeiten unternommen. Im Gegensatz zu rein wissenschaftlichen Theorien werden hier subjektive Theorien aufgestellt, die die sogenannte implizite Persönlichkeitstheorie präferieren.

Ein für die Psychologie in der Kommunikationsforschung bedeutsamer Aspekt ist die Person-Wahrnehmung. Dort werden Fragen zur wechselseitigen Wahrnehmung und Interaktion gestellt: Wie ist die Wahrnehmung anderer Menschen von außen, im Abgrenzung zur dinglichen Wahrnehmung als Personen, die wechselwirkend Wahrnehmende sind und sich zugleich des wechselseitigen Beobachtet Werdens bewusst sind? Welche Faktoren bestimmen das Entstehen eines Eindrucks von einer anderen Person, welche Rollen haben dabei das Aussehens oder die Kleidung oder die Sprache, wie entsteht ein „erster Eindruck“ vom Verhalten und den typischen Eigenschaften dieser Persönlichkeit? Welchen Einfluss haben Gefühle der Sympathie und der Antipathie oder die körperlichen Attribute? Welche Auswirkungen haben bestehende Vorurteile, Paradigmen im Zusammenhang mit „normalen“ Menschen sowie die soziale Disposition (social perception) auf diese Bewertungen? – Welche Beziehungen bestehen zwischen Eigenbild und Selbstbild eines Menschen? Diese Fragestellungen sind in der Persönlichkeitspsychologie und Sozialpsychologie sowie in der Interaktions- und Kommunikationsforschung Ausgangspunkt weitreichender empirischer Forschung, z.B. bei John Michael Argyle (1983), Jens Asendorpf (2007), Joseph P. Forgas (1992), Hans Dieter Mummendey (1995), Manfred Hassebrauck / Reiner Niketta (1993) und Ronald Henss (1998).

Weitreichende Erklärungen im Bereich der Alltagspsychologie folgen der grundsätzlichen Person-Wahrnehmung, insbesondere im Bezug auf die Persönlichkeitseigenschaften sowie das Zustandekommen von Unterschieden zwischen den Menschen nach Uwe Laucken (1973) und Werner Herkner (1996). In der Attributionstheorie werden rein spekulativ dem fremden und dem eigenen Verhalten bestimmte Motive, also Ursachen, zugeschrieben. Solch subjektive Theorien haben im Alltag - als sogenannte „Menschenkenntnis“ - die wichtige Funktion, das Verhalten der Menschen verstehbar, voraussagbar und sogar kontrollierbar zu machen. Die subjektiven Theorien sind von fachpsychologischen Theorien abgrenzbar, wenn genaue Begriffe, kritisches Methodenbewusstsein und unerlässliche empirische Überprüfungen Verwendung finden. Sie dienen der Orientierung des Einzelnen in seiner persönlichen Lebenswelt, Persönlichkeitstheorien hingegen basieren auf systematisch gesichertem Wissen.

Populärwissenschaftliche Persönlichkeitskonzepte sind durchaus interessant, weil sie auf die wissenschaftliche Psychologie zurückwirken und zugleich Forschungsergebnisse durch die Medien als psychologisches Alltagswissen Verbreitung finden. Häufig stoßen Psychologen während ihrer Befragungen sowie in ihrer gesamten Berufspraxis auf solcher Art verbreiteten Vorstellungen. Diese Form der alltagspsychologischen Konzepte von Persönlichkeit und Persönlichkeitseigenschaften nehmen in vielen Alltagssituationen starken Einfluss. Z.B. in der Schule, im betrieblichen Personalwesen, in Kliniken oder Altersheimen und Pflegeeinrichtungen.

Persönlichkeitsdiagnostik und Assessment
(mehr dazu im 8. Teil - "Psychologische Merkmale in der Diagnostik")
Die Intension der Persönlichkeitsdiagnostik ist die Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen im Rahmen einer psychologischen Fragestellung, insbesondere bei der psychologischen Diagnostik. Hierzu zählen Gutachten und Prognosen in der Schulpsychologie, im Personalwesen oder in der klinischen Psychologie. Es gilt, die Diagnostik von individuellen Fähigkeiten einschließlich der Intelligenz von der Persönlichkeitsdiagnostik im engeren Sinn zu unterschieden. Mit dem Begriff Diagnostik ist meist eine medizinische Aufgabenstellung gemeint, daher wird heute zur deutlichen Abgrenzung der Begriff „Assessment“ für Erfassung oder Beurteilung verwendet. Assessment bedeutet die zielgerichtete Erfassung von psychologischen Details und Unterschieden für einen ganz bestimmten praktischen Zweck, insbesondere die Vorhersagen von Kriterien aufgrund bestimmter Prädiktoren (Prognose).

Zum Verständnis der Strategien und einzelnen Tests, Fragebogen und anderer Analysetools ist es bedeutsam, mit den Prinzipien der Differenziellen Psychologie und der Persönlichkeitstheorien vertraut zu sein. Assessments haben gerade bei Unternehmensberatungen und Personalvermittlern weite Verbreitung gefunden als sogenannte Assessment-Center und Ambulante Assessments (Datenerfassung im Alltag der Untersuchten). Assessment-Center (von englisch to assess = beurteilen, deutsch etwa Beurteilungszentrum) ist das Gremium in einem Personalauswahlverfahren, das unter mehreren Bewerbern diejenigen ermittelt, die den Anforderungen eines Unternehmens und einer zu besetzenden Stelle (am besten) entsprechen. Hierzu werden die Bewerber vor verschiedene Probleme gestellt und im Umgang mit diesen bewertet. Ein Assessment-Center kann firmenintern durch die Personalabteilung gestellt oder durch eine externe Beratungsfirma unterstützt oder vollständig besetzt werden. Über diese beschriebenen Verfahren hinaus gibt es eine Vielzahl von Psychologischen Tests im Feld der Psychologischen Diagnostik.
 

 
Literatur zur Philosophie
* Tilman Borsche: Stichwort. Individuum, Individualität. In: Joachim Ritter Karlfried Gründer u.a. (Hrsg.). Historisches Wörterbuch der Philosophie. Buchgesellschaft, Darmstadt 1976.
* Gerd Jüttemann: Psychologie als Humanwissenschaft. Vandenhoeck und Rupprecht, Göttingen 2004.
* Regine Kather: Person. Die Begründung menschlicher Identität. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007.
* Bernard N. Schumacher und Francois-Xavier Putallaz (Hrsg.): Der Mensch und die Person. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008.

Literatur zur Psychologie
* Gordon W. Allport: Persönlichkeit. Struktur, Entwicklung und Erfassung der menschlichen Eigenart. Beltz, Meisenheim a. Gl. 1959.
* Manfred Amelang: 100 Jahre Psychologie: Differenzielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik. Zeitschrift für Differenzielle und Diagnostische Psychologie, 2004, Vol. 25
* Manfred Amelang, Dieter Bartussek, Gerhard Stemmler und Dirk Hagemann: Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung (6. Aufl.). Stuttgart: Kohlhammer, Stuttgart 2006.
* Manfred Amelang und Lothar Schmidt-Atzert: Psychologische Diagnostik und Intervention (4. Aufl.). Springer, Berlin 2006.
* Michael Argyle: The psychology of interpersonal behavior. Penguin, Harmondsworth 1983.
* Jens B. Asendorpf: Psychologie der Persönlichkeit (5.Aufl.). Springer, Berlin 2007.
* Klaus Boerner: Das psychologische Gutachten. Ein praktischer Leitfaden (7. Aufl.). Beltz, Weinheim 2004.
* David M. Buss (Ed.): The handbook of evolutionary psychology. Wiley, Hoboken, NJ. 2005.
* Charles S. Carver und Michael F. Scheier: Perspectives on personality (5th ed.). Allyn and Bacon, Boston 2004.
* Ekkehard Crisand: Psychologie der Persönlichkeit (8. Aufl.). Sauer, Heidelberg 2000.
* Hermann-Josef Fisseni: Persönlichkeitspsychologie : auf der Suche nach einer Wissenschaft; ein Theorienüberblick (4. Aufl.). Hogrefe, Göttingen 1998.
* Hermann-Josef Fisseni: Lehrbuch der psychologischen Diagnostik: mit Hinweisen zur Intervention.(3. Aufl.). Hogrefe, Göttingen 2004.
* Joseph P. Forgas: Soziale Kommunikation und Interaktion. Eine Einführung in die Sozialpsychologie (4. Aufl.). Weinheim: Psychologie Verlags Union, Weinheim 1999.
* Manfred Hassebrauck, Reiner Niketta (Hrsg.).Physische Attraktivität. Hogrefe, Göttingen 1993.
* Roland Henss: Gesicht und Persönlichkeitseindruck. Hogrefe, Göttingen 1998.
* Werner Herkner: Lehrbuch Sozialpsychologie (5. Aufl.). Huber, Bern 1996.
* Oliver P. John, Richard W. Robins und Lawrence A. Pervin: Handbook of personality: Theory and Research (3rd. ed.). Guilford Press, New York 2008.
* Uwe Peter Kanning: Die Psychologie der Personenbeurteilung. Hogrefe, Göttingen 1999.
* Julius Kuhl: Motivation und Persönlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme. Hogrefe, Göttingen 2001.
* Uwe Laucken: Naive Verhaltenstheorie. Ansatz zur Analyse des Konzeptrepertoires, mit dem im alltäglichen Lebensvollzug das Verhalten der Mitmenschen erklärt und vorhergesagt wird. Klett, Stuttgart 1974.
* Dan P. McAdams (Ed.): Identity and story: creating self in narrative. APA, Washington, D.C. 2006.
* Hans Dieter Mummendey: Psychologie der Selbstdarstellung. (2. Aufl.). Hogrefe, Göttingen 1995.
* Rolf Oerter und Leo Montada: Entwicklungspsychologie (6. Aufl.). PVU, Weinheim 2008.
* Kurt Pawlik und Manfred Amelang (Hrsg.): Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung. Enzyklopädie der Psychologie. Themenbereich C, Serie 8 (4 Bände). Hogrefe, Göttingen 1995-2000.
* Lawrence A. Pervin, Daniel Cervone und Oliver P. John: Persönlichkeitstheorien. Reinhardt, München 2005.
* Hans Thomae: Das Individuum und seine Welt: eine Persönlichkeitstheorie. Hogrefe, Göttingen 1968.
* Hannelore Weber, Thomas Rammsayer (Hrsg.): Handbuch der Persönlichkeitspsychologie und Differentiellen Psychologie. Hogrefe, Göttingen 2005.

Weitere Literatur
* Jung, Carl Gustav: Definitionen. In: Gesammelte Werke. Walter-Verlag, Düsseldorf 1995, Band 6.
* Peters, Uwe Henrik: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. Urban & Schwarzenberg, München.
* Janet, Pierre: Les obsessions et la Psychasthénie. 2. Auflage Paris 1908.
* Dessoir, Max: Vom Jenseits der Seele, die Geheimwissenschaft in kritischer Betrachtung. Löwit, Wiesbaden 1979.
* Stevenson, Robert Louis: Dr. Jeckyll and Mr. Hyde. UK, 1865
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