Was ist JTI?

 

 
Der Jungsche Typenindex oder JTI (Jungian Type Indicator) ist eine Alternative zum MBTI (Myers-Briggs-Type-Indicator). Er wurde 2001 von Optimas im Rahmen der European Type Conference veröffentlicht und über einen Zeitraum von 10 Jahren von den norwegischen Psychologen Thor Ødegård und Hallvard E. Ringstad aus Bergen in Norwegen entwickelt. Der JTI wurde dafür entwickelt, aufbauend auf der Theorie von Carl Gustav Jung Präferenzen einer Person zu beschreiben.

Der JTI zeigt auf, wie Personen grundsätzlich Informationen aufnehmen und Entscheidungen treffen. Alle Menschen erliegen ihrem individuellen bevorzugten Verhalten, welches Sie in der Außenwelt oder in der ihnen eigenen Innenwelt erkennbar zeigen. Diese Individualität führt zu erkennbarem, unterschiedlichem Verhalten. So spricht man von Präferenzen bei der Wahrnehmung und bei der Entscheidungsfindung. Der JTI hinterfragt diese individuellen Verhaltenspräferenzen und unterscheidet 16 unterschiedliche Typen.
Der JTI ist ein self-scoring Instrument und kann über einen Fragebogen ermittelt und ausgewertet werden. Dieser umfasst 56 Fragen.

Die Auswertung ist ohne Erklärung für jedermann sofort möglich. Zusätzlich gibt es auch eine komfortable online-Anwendung. Der JTI darf nur durch speziell ausgebildete und lizensierte Trainer angewendet werden. An der Universität Nijmegen begann 2008 im Rahmen einer Masterarbeit eine Studie zur Reliabilität und Validität statt. Die Zwischenergebnisse sind mehr als befriedigend, eine vollständige Veröffentlichung liegt noch nicht vor.

Klassifikation der Typen

I bis E – Introversion bis Extraversion
Dies beschreibt die Motivation zur Sinneserfahrung. Diese Unterscheidung ist weit geläufig. Ein außenorienter Mensch ist kontaktfreudiger und handlungsbereiter, ein innenorienter Mensch konzentrierter und intensiver. Man spricht auch von der Tendenz zur Weite (E) bis Tiefe (I) der Sinneserfahrung. Hier wird von einer Gleichverteilung in der Bevölkerung ausgegangen.
N bis S – Intuition bis Sensing
Dies beschreibt die Verarbeitung der Sinneseindrücke, der sensorische Geist gewichtet die „Rohdaten“ bzw. unmittelbaren Eindrücke am höchsten, der intuitive Geist verlässt sich stärker auf seinen sechsten Sinn, also auf seine Spekulationen und Vermutungen. Der sensorische Geist ist detailorientiert und gewandter im exakten Verarbeiten von konkreter Information sowie im Einschätzen der Realität. Der intuitive Geist achtet eher auf das Ganze als auf dessen Teile und ist gewandter im Erkennen von Gesetzmäßigkeiten, Relationen und Möglichkeiten.Es wird davon ausgegangen, dass sensorisch präferierte Personen etwa zwei Drittel bis drei Viertel der Bevölkerung ausmachen.
F bis T – Feeling bis Thinking
Dies beschreibt die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. Der Denker (thinking) betrachtet die ihm vorliegenden Informationen eher von einem rationalen Standpunkt und versucht, mittels Logik zu objektiven Erkenntnissen und optimalen Entscheidungen zu gelangen. Da er Klarheit liebt, kategorisiert er die ihm vorliegenden Sinneseindrücke stark. Der Fühlende beachtet seine Emotionen stärker. Er urteilt subjektiv nach seinen Gefühlen und berücksichtigt dabei vorwiegend Werte, Ideale oder zwischenmenschliche Aspekte. Hier wird von einer Gleichverteilung bei geringfügig mehr Fühlern ausgegangen. Gleichzeitig besteht hier die größte Unausgewogenheit zwischen den Geschlechtern: Schätzungen zufolge sind etwa zwei Drittel der Denker Männer und etwa zwei Drittel der Fühler Frauen.
J bis P – Judging bis Perceiving
Dies beschreibt die Sicherheit, mit der eine Person Entscheidungen trifft und zu ihnen steht. Entweder die Person ist offen für neue Eindrücke und zeigt sich bereit, seine Entscheidungen und Pläne zugunsten neuer Informationen zu überdenken oder nicht. Dies bedeutet auch, dass diese spontaner handelt und sich flexibler unregelmäßigen Umständen anpassen kann (perceiving). Im Gegensatz dazu steht die Entschiedenheit. Der Urteilende (judging) entscheidet bereits, bevor ihm alle Informationen vorliegen und hält an einmal getroffenen Entscheidungen und eingeschlagenen Wegen auch unter widrigen Umständen fest. Bevorzugt handelt er systematisch und planmäßig. Falls erforderlich, werden Pläne angepasst, jedoch werden diese ungern völlig verworfen. Der Urteilende hat außerdem eine stärkere Neigung zum Dominieren und Kontrollieren. Er zeigt im Handeln weniger Spontanität, dafür jedoch mehr Disziplin und Konsistenz. In dieser Dimension ist ungefähr von einer Gleichverteilung auszugehen.

Der Team-Kompass
Hier handelt es sich um ein Instrument, das die Erkenntnisse aus dem JTI bezüglich der einzelnen Person auf die Interaktionen innerhalb eines Teams überträgt. Der Kompass beschreibt die 8 Arbeitsfunktionalitäten, die in jedem Team, in jeder Projektarbeit erforderlich sind, um ein gewünschtes Ergebnis zu gelangen. Zusammen mit dem JTI zeigt der Teamkompass auf, welche der Funktionalitäten jeder Einzelne gerne, qualitativ höchstwertig und selbst-motiviert übernimmt.

Ebenso wird deutlich, welche Funktionalitäten in einem Team leidend sind, d.h., nicht ausreichend durch die Teammitglieder abgedeckt werden. Im Coaching vermag der Teamkompass aufzuzeigen, wie eine erhebliche Leistungs- und Motivationssteigerung bei dem Klienten ermöglicht werden können. Auch wird dem Klienten deutlich, warum bestimmte Tätigkeiten sich augenscheinlich von selbst erledigen und andere mühsam erscheinen. Gemeinsam mit dem Coach lassen sich hier wertvolle Änderungshinweise und -strategien erarbeiten.

Abgrenzung
Die Beispielfragen und die Methoden des JTI unterscheiden sich von der Konkurrenz MBTI. So wurden z. B. Wortpaare innerhalb der Befragungen eliminiert, welche bei Übersetzungen Probleme verursachen können.

Kritische Betrachtung
In Dänemark hat JTI den MBTI fast vollständig ersetzt. Dort finden seit 2004 durch den Lizenzgeber Center for Ledelse keine MBTI-Akkreditierungen mehr statt.  Neben der höheren wissenschaftlichen Qualität liegt dies auch an den niedrigeren Kosten für eine Akkreditierung. Außerhalb Skandinaviens ist der JTI noch relativ unbekannt.

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Links
* European Type Conference, http://conference.cfl.dk/participant/speakers

Literatur
* Richard Bents & Rainer Blank, Understanding the Dynamics of Typical People: An Introduction to Jungian Type Theory, Hogrefe-Verlag, ISBN-13: 978-08893738222010
* Elizabeth Murphy, The Developing Child: Using Jungian Type to Understand Children, Davies-Black Pub, 1992,  ISBN 978-0891060604
* William Bridges, Character of Organizations: Using Jungian Type in Organizational Development, Nicholas Brealey Publishing, 1992, ISBN 978-0891060529
* Anna-Maria Garden und Sloan School of Management, Burnout: The Effect of Jungian Type, Cambridge, Massachusetts Institute of Technology, 1984
* Daryl Sharp, Personality Types: Jung's Model of Typology (Studies in Jungian Psychology by Jungian Analysts), Publishers Group UK, 1987, ISBN: 978-0919123304

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