Was ist The Four Quadrants - C.A.P.S.?

 

 
C.A.P.S. Personal-Style-Inventory
Erstmals erwähnt wird das ‚C.A.P.S.-Personal-Style-Inventory‘ als Vier-Quadranten-Modell bei David Merrill und Roger Reid 1981, wobei die vier Buchstaben einzelne grundlegende Persönlichkeitseigenschaften repräsentieren: C. = Controller, A. = Analyzer, P. = Promoter und S. = Supporter. Eine Analogie zu ‘Cognitive-Affective-Personality-System’ oder ‚Cognitive-Affective-Processing-System’ von Walter Mischel und Yuichi Shoda aus 1995 ist deutlich erkennbar, jedoch ist das ‚Personal-Style-Inventory‘ von der Handhabung recht einfach und findet in der Personal-, Team- und Managemententwicklung breite Anwendung.

Es gibt zahlreiche Modelle in der psychologischen Diagnostik, die versuchen, das menschliche Verhalten in einer sinnvollen Art und Weise zu vereinfachen und zu kategorisieren. Umfangreiche Kataloge von Mustern sind mit dem Ziel entstanden, eine übersichtliche ‚Dimension‘ zu schaffen und viele davon basieren auf einer Clusterung in vier verschiedene Quadranten, (wie in MBTI, DISC, LIFO, u.a.m.) wobei letztlich alle auf die Typologie von C.G. Jung zurückgreifen und großenteils Anleihen untereinander machen.

Dieses Instrument befasst sich im weitesten Sinn mit menschlicher Kommunikation und hat eine  konstruktivistische Sicht auf Kommunikation und eine lösungsorientierte Herangehensweise an das menschliche Verhalten. Wie bei anderen psychologischen Ansätzen geht man auch hier davon aus, dass Symptome menschlichen Verhaltens durch innere Prozesse ausgelöst und strukturiert sind und innere Prozesse und äußere Wahrnehmungen in einem gegenseitigen Zusammenhang stehen. Eine solche modellhafte Betrachtungsweise legt Tendenzen von Verhalten offen; es entstehen Hinweise für die Optimierung von zukünftigem Verhalten. Grundlage für das Verstehen und Beschreiben der Verhaltensweisen der Untersuchten sind Ermittlungen des Selbstbildes durch Fragebogen oder Interview. Je nach verfolgtem Zweck können diese Techniken deutlich voneinander abweichen. Ziel der Ermittlung ist stets die rein quantitative Klassifizierung der Probanden in einen der vier vorgegebenen Quadranten, um einen Einblick in das zugrundeliegende ‚Warum‘ möglicher Entscheidungen zu erhalten.

Detaillierte Tests enthalten bis zu 40 Fragen mit jeweils zwei vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten und sind für die Bewertung von Einzelpersonen geeignet. Damit ein Modell im Alltag nützlich ist, muss es spezifisch genug, um sinnvoll und dennoch breit genug, um überall anwendbar zu sein. Es sollte die Verhaltensstile in einer Sprache beschreiben, die von jedermann leicht verstanden wird. Ein besonderer Vorteil dieses Modells besteht in der spielerischen Anwendbarkeit in Teambuilding- und anderen gruppendynamischen Prozessen. In solchen Prozessen hat sich eine vereinfachte Version durchgesetzt, die den Fokus auf Aktivität, Erleben und unmittelbare ‚Aha-Effekte‘ setzt. Hier kommen lediglich acht Fragen, die inhaltlich aufeinander aufbauen, zum Einsatz.

Das Quadranten-Modell
 
Das CAPS-Modell gliedert beobachtbares Verhalten in vier grundsätzliche, leicht nachvollziehbare Kategorien.  Diese Kategorien sowie eine beliebige Kombination aus jeweils zwei der vier Quadranten dienen dazu, fast jedes Individuum in seiner alltäglichen sozialen Interaktion zu beschreiben.  Innerhalb der Quadranten werden typische „modes of operation“ beschrieben, die sich auf das Leben im häuslichen oder beruflichen Bereich beziehen. Einerseits können Menschen eine nahezu unendliche Reihe von Verhaltensweisen aufweisen, jedoch tendieren sie dazu, unter bestimmten Voraussetzungen, ein ‚primäres‘ oder bevorzugtes Verhalten zu zeigen, das einem ganz bestimmten Quadranten des CAPS entspricht. Merrill und Reid bezeichnen dies als ‚Komfortzone‘ in der sich eine Person sicher und unangreifbar empfindet.
 
Ihre Untersuchungen ergaben, dass Personen in ungewöhnlichen, bedrohlichen oder stressigen Situationen ebenfalls ein – möglicher Weise anderes – ‚Primär-Verhalten‘ zeigen. Dieser situative Wechsel des Primär-Verhaltens ist möglich, da Personen innerhalb ihrer ‚Komfortzone‘ Zeichen von untergeordneten Verhaltensmustern zeigen, die wiederum entsprechend der vier Quadranten klassifiziert werden können.  Aufgrund dieser Sichtweise wird zukünftiges Handeln einer Person vorhersagbar.

Die vier Quadranten des Modells nach Merrill und Reid
 
Controller
Personen mit diesem Primär-Verhalten werden oft als Menschen mit der Neigung zur Verantwortungsübernahme betrachtet.  
 


Sie agieren fordernd und beharrlich und neigen dazu, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie sind sozial aufgeschlossen und zögern nicht, ihre Meinung öffentlich kund zu tun. Controller handeln schnell und zielstrebig und erwarten dies auch von anderen. Dabei treten sie autoritär in Erscheinung und oft mangelt es an der Fähigkeit, andere zu unterstützen oder eine Anleitung zu geben, auf welchem Weg das gemeinsame Ziel zu erreichen sei. Entscheidungen werden meist schnell und kurzfristig getroffen, eigene Fehler werden heruntergespielt. Personen dieser Kategorie sind sehr handlungs- und aufgabenorientiert und übersehen oft den Faktor ‚Mensch‘ in der Zusammenarbeit mit anderen. In kritischen Situationen oder unter Druck verstärkt sich die Grundausprägung ihres Verhaltens und sie reagieren mit Intensivierung ihrer Bemühungen. Ihre ständige Sorge ist es, die Kontrolle über sich, die Situation sowie die sie umgebenden Menschen zu verlieren. Kritik gegenüber sind sie verschlossen und vermeiden es, die Details einer Strategie oder einer Planung offen zu legen.
 
Analyzer
Personen mit diesem Primär-Verhalten werden oft als ‚Denker‘ bezeichnet, da sie sich als logisch, rational und geradlinig zeigen. Bevor sie eine Entscheidung treffen oder mit einer Handlung beginnen, bewerten sie sorgfältige alle Optionen. Diese augenscheinliche Stärke kann jedoch, bei  übertriebener Ausprägung, zum genauen Gegenteil erwachsen. In ihrem sozialen Verhalten sind Menschen dieser Kategorie eher zurückhaltend und nehmen die Rolle des Beobachters innerhalb von Gruppen ein. Nur wenn sie sich in der Sache absolut sicher fühlen, werden sie Ihre Meinung äußern, dann argumentieren oder handeln sie organisiert, präzise und detailgenau. Dies ist die Grundvoraussetzung für strategische Planungseigenschaft, zugleich aber auch ein Manko bei der unmittelbaren Aufgabenerfüllung, da sie oft langsam reagieren und spontane Erfolgschancen verpassen. Da sie sehr aufgabenorientiert sind, fordern Analyzer auch von anderen konkrete Pläne, Ziele, Aufgaben, Bezugspunkte, Termine und gutdurchdachte Entwürfe. Mit Sorge sehen sie schnelle Entscheidungen und intuitives Agieren anderer bei unzureichender Information. Im Umgang mit anderen erscheinen sie meist insistierend, kritisch und bewertend.
 
Promoter
Personen mit diesem Primär-Verhalten werden oft als ‚Stimmungsmacher‘ bezeichnet, da sie enthusiastisch, spontan und voller Energie an jede Aufgabenstellung herangehen.
 

Für sie sind Gesamtbilder, große Zusammenhänge weit mehr von Bedeutung, als bloße Details. Menschen dieser Kategorie sind zukunftsorientiert und stets in Erwartung von Neuem, von Veränderung, neigen jedoch dazu, etwas einmal Begonnenes nicht zu Ende zu führen.
 
Sie sind außergewöhnlich kreativ, insbesondere bei der Planung von Aufgaben, deren Durchführung bis ins Absurde oder Nichtausführbare reicht. Nach außen erscheint ihre Fähigkeit, Projekte auch in Mehrzahl parallel zu bearbeiten als großer Vorteil, jedoch werden nicht alle mit großem Erfolg abgeschlossen, sondern enden in einem Verhängnis. Promoter zeigen eine große Ungeduld und neigen zu sprunghaften Handlungen. Im Umgang mit anderen dominieren sie diese oft durch Extravertiertheit, Lautstärke und fast kompromittierende Nähe. Als ‚Antreiber‘ fühlen sie sich sicher in Situationen mit hoher Progression. Langeweile verursacht ihnen große Angst und sie vermeiden jede Form von Rückzug.
 
Supporter
Personen mit diesem Primär-Verhalten werden oft als ‚Menschenfreunde‘ bezeichnet, da sie im Umgang mit anderen augenscheinlich stets in deren Interesse agieren und sorgsam mit ihnen umgehen. Sie verfügen über ausgeprägte Empathie und achten sorgsam auf die Gefühle anderer, daher neigen sie zu manchmal heftigen Gefühlsausbrüchen und zeigen echte Anteilnahme. Diese Art des Mitgefühls macht sie leicht verletzlich durch unbedachte Äußerungen, ohne dies jedoch zu zeigen. Da sie besonders beziehungsorientiert sind, gelten sie als gute Zuhörer und eloquente Gesprächspartner. Diese Menschen vermitteln oft das Gefühl übermäßiger Zuvorkommenheit und können in Gruppen die Position ‚versteckter‘ Anführer einnehmen, da sie die Nähe zu anderen suchen und Beziehungen intensiv pflegen. Ihre größte Sorge ist das Alleinsein, daher unterwerfen sie sich leicht Gruppenzwängen. Daneben fürchten sie – mit gutem Grund – von anderen ausgenutzt zu werden.

Merrill und Reid ordneten den vier Quadranten jeweils eine Reihe typischer beobachtbarer Verhaltenstendenzen zu. In der Verbindung zwischen Primär-Verhalten und jeweiliger Sekundär-Tendenz ergeben sich auch extreme Tendenzen und schwierige Wechselwirkungen. Letztlich zeigten Untersuchungen, wo die Optimierungsansätze zur Verbesserung von Kommunikation und Interaktion zu finden sind.
 
 
Möglichkeiten und Grenzen des Modells
Das CAPS Modell wurde entworfen, um mehr Verständnis zwischen unterschiedlichsten Kommunikationstypen sowie die Grundlage für eine verbesserte Interaktion zu schaffen. Dennoch sollte nicht vernachlässigt werden, dass Personen, die in bestimmten Situationen ein Primär-Verhalten zeigen, nicht langfristig oder endgültig an dieses gebunden sind, dass Situationen, die großen Stress, Bedrohung oder hohen Druck auslösen oder plötzlich unerwartete Situationsänderungen zu einer anderen Auswahl des Primärverhaltens führen können,  dass es kein ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ bei der Ausprägung des Primär-Verhaltens gibt und dass es für die erfolgreiche Situationsmeisterung kein ‚ideales‘ Primärverhalten gibt. Effizienz ist vielmehr ein Produkt aus Flexibilität und Angemessenheit und ist aus jedem der vier Quadranten heraus möglich. Führungsqualität ist dem CAPS Modell entsprechend die Fähigkeit, sich und die Wahl seines Primär-Verhaltens der Situation entsprechend anzupassen, was die genaue Kenntnis der Möglichkeiten eben dieser Primärverhaltensstile voraussetzt. Eine sinnvolle zielführende Kommunikation mit anderen kann nur dann erfolgen, wenn der das Gespräch Führende auch das bevorzugte Primärverhalten, die ‚Komfortzone‘ des Gesprächspartners erkennt und gezielte Anpassungen an seinem eigenen Stil vornimmt. Auf diesem Wege findet eine gezielte Synchronisation zwischen den Gesprächspartnern statt, die beiden ein Gefühl der Sicherheit bietet und dadurch zu einem gewünschten Gesprächsergebnis führt.
 
Recherche und Text: Ron R. Krämer © 2012

 
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Literatur zu C.A.P.S.
* Merrill, D.W. & Reid, R.H.: Personal Styles and Effective Performance. Chilton Book Company, Bradner 1981
* Vandeveer, R.C. & Menefee, M.L.: Human behavior in organizations, Pearson Prentice Hall, 2006


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