Was ist der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test?

 

 
16–Persönlichkeits-Faktoren-Test (16PF)
Der 16–Persönlichkeits-Faktoren-Test (16PF) ist ein Verfahren zur mehrdimensionalen Erfassung der individuellen Persönlichkeitsstruktur im Erwachsenenalter. Die Zielgruppe umfasst die Altersstruktur von 18–50 und älter. Das Verfahren erlaubt eine umfassende und differenzierte Erfassung und Beschreibung des Persönlichkeitsprofils einer zu beurteilenden Person. Es ist in einer aktuellen Form gehalten und in einer verständlichen Sprache geschrieben. Unterstützt durch die Interpretationshilfen können die Aussagen auch gut und für die Ratsuchenden nachvollziehbar vermittelt werden. Der 16PF ist ökonomisch; so kann ein Proband den Fragebogen auch zu Hause oder am PC ausfüllen.

Anwendungsbereiche
* In der Arbeits-, Betriebs-, Berufspsychologie für die Bereiche Berufsberatung, Mitarbeiterberatung
   und Personalplatzierung
* In der klinischen Psychologie zur Abklärung verschiedener psychischer Störungen
* In der pädagogischen Psychologie zur Erfassung von Lern- und Leistungsverhalten
* In der Forschung auf der Basis  Grundlagen- und Anwendungs-bezogener Fragestellungen.

Konzept und theoretische Grundlagen
Der Test wurde von Raymond B. Cattell auf der Basis faktorenanalytischer Untersuchungen entwickelt und erschien 1949 in einer ersten Auflage. Cattell arbeitete 16 grundlegende Persönlichkeitsdimensionen heraus, die als Namensgeber für das Verfahren dienten. Persönlichkeit wird definiert als das, was vorhersagt, was ein Mensch tun wird, wenn er in eine bestimmte Situation gebracht wird: R=f(S•P). Menschliches Verhalten ist in der Vorstellung von Cattell multipel determiniert. Er fasst das in einer Gleichung zusammen:
 
Rj = SjaA + SjtT + SjeE + SjmM + SjrR + SjsS
 
Dabei bedeutet:
A: 'Ability source traits'
T: 'Temperament source traits'
E: Ergische Triebe
M: 'Sentiments'
R: 'Role traits'
S: 'States' (momentane Stimmungen)

Dieser Ansatz berücksichtigt drei Datenebenen: "Für eine umfassende Persönlichkeitsanalyse muss nach Cattell die Datenerhebung über L-Daten (Lebenslaufdaten), Q-Daten (Fragebogendaten) und T-Daten (objektive Testdaten) erfolgen" (Häcker 1988).

Die bis heute verwendete deutschsprachige Fassung entspricht dem bisherigen 16PF-R. Aufgrund eines Wechsels der Verlagsrechte wurde dieser neu gestaltet; die Inhalte blieben aber weitgehend unverändert. Das Verfahren hat insgesamt 184 Items, wobei auf jeden Primärfaktor zwischen 9–13 Items entfallen, die in einer unregelmäßigen Reihenfolge dargeboten werden. Der Faktor „Schlussfolgerndes Denken“ wird mit 13 Aufgabenstellungen am Schluss gemeinsam erhoben. Die Struktur der Primär-und Globalfaktoren ist aus der folgenden Abbildung aus dem Handbuch des 16PF-R ersichtlich, wobei ein durchgezogener Pfeil auf eine direkte Ladung, und ein gestrichelter Pfeil auf eine umgekehrte Ladung hinweist.


 
Die Primärskalen B (Logisches Schlussfolgern) und L (Wachsamkeit) gehen nicht in die Bestimmung der Globalfaktoren ein. Die Globalfaktoren werden in der neuesten Version (16PF) leicht anders berechnet als in der Version 16PF-R (internationale Angleichung der Regressionsgleichung). Ergänzt werden diese Dimensionen durch das Erfassen des Impression Managements (IM). Ein hoher Wert weist auf eine Antworttendenz in Richtung sozialer Erwünschtheit hin.
 
Anwendungen, Auswertung und Feedbackgespräch
Der Fragebogen kann schriftlich oder auch online ausgefüllt und ausgewertet werden. Die Materialbestellung bzw. die Bestellung von online-Durchführungen erfolgt nicht mehr über die Testzentrale, sondern direkt beim Verlag opp (www.opp.eu.com). Durchführung und Auswertung in der Papier/Bleistift Version als Einzeltest, grundsätzlich auch in Gruppen durchführbar, Bearbeitungsdauer: ca. 45-60 Min. Ausführliche Angaben zur Testinstruktion und Auswertung sind auf www.opp.eu.com aufgeschaltet. Computergestützte Version: gleiche Bearbeitungszeiten. In der Papier-Bleistift-Version erfolgt die Auswertung mittels Durchschlag des Antwortbogens sowie des Leitfadens für Auswertung und Feedbackgespräch. Die Normtabellen sind auf www.opp.eu.com aufgeschaltet. Auswertungsdauer: 20-30 Minuten. In der online-Version erfolgt die Auswertung automatisch.
 
Interpretation
Im Leitfaden für Auswertung und Feedbackgespräch sind die einzelnen Skalen allgemein verständlich beschrieben. Für die ausführlichen Skalenbeschreibungen und Berufsprofile muss weiterhin das Handbuch des 16PF-R verwendet werden. Durchführung, Auswertung und Interpretation sind durch die Art der Vorgabe und der Auswertung gegeben.
 
Reliabilität und Validität
Sowohl im Bereich der Primärskalen als auch der Globalskalen sind interne Konsistenz (N=1209 / 74-81) sowie Retest Reliabilität (N=111/ 83-86) gegeben. Im Handbuch zum 16PF-R werden ausführliche Angaben gemacht zur Konstruktvalidität, dies aufgrund von Vergleichen zum NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI), zur redivierten Fassung des Freiburger Persönlichkeitsinventars (FRI-R), zur Personal Research Form (PRF-KA), zum Trierer Persönlichkeitsfragebogen (TRF-2) und zum Minnesota-Multiphasic Personality Inventory (MMPI-2). Die Zusammenhänge zwischen den Globalfaktoren des 16PF-R und den bekannten grossen Persönlichkeitsstrukturen (BIG-Five) weden referiert und teilweise nachgewiesen. Die Untersuchungen bestätigen nach Ansicht der Testautoren eine hohe faktorielle Gültigkeit des Verfahrens. In ca. 50 Studien konnte die 16-Faktoren-Struktur repliziert werden (vgl. Cattell & Krug, 1986).
 
Normen
Die Normierung des 16PF-R erfolgte anhand einer für die Bundesrepublik Deutschland repräsentativen Eichstichprobe von insgesamt 1209 Personen aus dem Jahr 1998. Normen sind vorhanden sowohl für die Gesamtstichprobe, wie auch für die drei Altersgruppen (18–29 / 30–49/ 50 und älter), getrennt nach Geschlecht. Für den 16PF (Nachfolger des 16PF-R) wurden keine neuen Normen erhoben. Es müssen aber aufgrund der neuen Kodierung der Antworten die Normtabellen von www.opp.eu.com verwendet werden (und nicht jene aus dem Handbuch des 16PF-R)
 
Kritik und Grenzen des Modells
Das Verfahren setzt eine gute, differenzierte Selbstwahrnehmung voraus sowie die Bereitschaft zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Das Erfassen und Gewichten aller 16 resp. 21 relevanten Faktoren stellt relativ hohe Anforderungen an das Auffassungsvermögen. Zudem ist die Bedeutung der Persönlichkeitsfaktoren für die eigene Berufs- und Laufbahnwahl nicht ohne weiteres einsichtig. Die Bipolarität ist bei einzelnen Faktoren nicht ohne weiteres ersichtlich und nachvollziehbar (z.B. Schüchternheit vs. Soziale Kompetenz, Soziale Orientierung vs. Selbstgenügsamkeit). Das sinnvolle und zutreffende Vermitteln der Ergebnisse erfordert einen recht hohen Aufwand und setzt eine gute Kenntnis des Verfahrens voraus. Es sind nur Normenwerte aus der Bundesrepublik Deutschland aus dem Jahr 1998 vorhanden.
 
Gesamtbewertung für den Anwendungsbereich Berufsberatung
Mit dem 16PF verfügt die Laufbahnberatung Erwachsener über ein umfassendes, psychometrisch breit abgestütztes Verfahren zur Beurteilung einer Persönlichkeitsstruktur. Die Normen stammen aus dem Jahr 1998 und sollten überprüft werden. Der 16pf erlaubt zur Diskussion stehende Berufslösungen mit Hilfe des Persönlichkeitsinventars zu überprüfen, Bestätigungen oder Hinweise auf mögliche kritische Punkte oder Schwierigkeiten zu erhalten. Berufliche Laufbahnwahlentscheidungen können mit Hilfe dieses Verfahrens breiter abgestützt werden.
 


 
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Literatur zu 16-PF
* Cattell, R.B. & Krug, S.E.: The number of factors in the 16PF: A review of the evidence with special emphasis on methodological problems. Educational and Psychological Measurement, 1986
* Karson, M. & Karson, S. & O’Dell, J.: 16PF-R Interpretationen in der klinischen Praxis. in: Schneewind, K., Schröder, G. & Cattell, R.B. (1998) Der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test, Revidierte Fassung. Hans Huber, Bern 1999
* Schneewind, K.A. & Graf, J.: Der 16-Persönlichkeits-Faktoren-Test, revidierte Fassung (16 PF-R). Hans Huber, Bern 1998
* Stangl, W.: Eigenschaften-Situationen-Verhaltensweisen. Eine ökonomische Ratingform des 16PF. Zeitschrift für experimentelle und angewandte Psychologie, Vol 4, 1989
* Stangl, W.: ESV - Eigenschaften-Situationen-Verhaltensweisen. Eine Rating-Kurzform des 16PF. In: Westhoff, G.: Handbuch psychosozialer Meßinstrumente. Hogrefe, Göttingen 1993


Die verwendeten Fotografien stammen ohne Ausnahme aus dem Internet und dienen nur dem Zweck, den Text optisch aufzulockern. Sollte dabei gegen bestehendes Urheberrecht verstoßen worden sein, dann bitte ich einerseits um Entschuldigung, andererseits um Mitteilung und werde das betreffende Foto dann sofort wieder entfernen. Dennoch viel Spaß beim Schmökern auf dieser Seite...