Kleine Geschichtensammlung
 
In den vielen Jahren meiner ungezählten Reisen rund um den Globus habe ich zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten immer wieder inspirierende, motivierende oder einfach nachdenklich stimmende Geschichten gehört. An dieser Stelle möchte ich diese Geschichten einfach zur Verfügung stellen, damit sie der geneigten Leserschaft ebenso zur Erbauung dienen mögen wie mir selbst. Im Laufe der Zeit werde ich immer wieder neue Geschichten niederschreiben und hier veröffentlichen. Sofern mir der Ursprung oder die Quelle bekannt ist, werden diese jeweils am Ende der einzelnen Geschichte vermerkt sein.
 
Der Koch in der Spielbank
 
 
Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts lebte irgendwo in Amerika ein junger Mann, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, einmal ein richtig guter Koch zu werden. Also ging er bei einem Meisterkoch in die Lehre und erlernte das Handwerk von der Pike auf. Nach einigen Jahren hatte er sein Ziel erreicht und verwendete seine gesamten Ersparnisse, um ein kleines Restaurant zu eröffnen, das, genau wie seine Kochkunst, von seinen Gästen bald gerühmt wurde. Nach und nach hatte er  immer mehr zufriedene Gäste und kam über die Jahre zu einigem Wohlstand.

Doch das Leben meinte es nicht gut mit dem inzwischen nicht mehr ganz so jungen Mann. Es kam zu einem großen Börsenkrach und viele Menschen verloren all ihr Hab und Gut. Das letzte, was sie jetzt noch wollten, war in einem Restaurant essen zu gehen. Schließlich konnten sie sich das auch gar nicht mehr leisten. Auch unser Koch hatte seine Ersparnisse angelegt und alles verloren. Da auch keine Gäste mehr in sein Restaurant kamen, blieb ihm letztlich nichts anderes übrig, als völlig mittellos geworden, seinen Traum vom eigenen Restaurant aufzugeben.

Von einem Tag auf den anderen stand er auf der Straße, ohne Perspektive und ohne Zukunft. So beschloss er, sein letztes Kleingeld in einer Spielbank zu riskieren – was spielte es jetzt noch für eine Rolle. Und es kam wie es kommen musste – er verlor.

Verzweifelt fasste der Mann den Entschluss, sich das Leben zu nehmen. Er vergrub seine Fäuste tief in den Hosentaschen und machte sich auf den Weg zum Fluss, um sich zu ertränken. Doch kurz bevor er die Spielbank verließ, machte sich seine Blase bemerkbar und so steuerte er die Toilette an. Doch was sah er da? Um zur Toilette zu gelangen hätte er eine Münze in den Schließmechanismus an der Tür werfen müssen – doch er hatte nicht einmal mehr einen Vierteldollar in der Tasche. Mit düsterer Miene starrte er die Tür an.

Das bemerkte ein Mann am Waschbecken, trocknete seine Hände und ging zu unserem Koch. „Hier, mein Lieber“ sagte der Mann und gab ihm lächelnd einen Vierteldollar, bevor er verschwand. Verwirrt betrachtete der Koch das Geldstück in seiner Hand und wollte es gerade in den Münzschlitz stecken, als sich die Tür von innen öffnete und ein anderer Mann grinsend heraustrat. „Bitte sehr!“ lachte der Mann und hielt dem Koch die Tür auf. „Gehen Sie einfach hinein. Den Vierteldollar können Sie sich sparen!“ Also stopfte der Koch sich den Vierteldollar in die Hosentasche, sagte kurz: „Danke!“ und trat ein.

Als er sich später die Hände gewaschen hatte, machte er sich wieder daran, sein eigentliches Ziel zu verfolgen. Er verließ die Spielbank über die breite Eingangstreppe und wollte hinunter zum Fluss.  Er vergrub wieder seine Fäuste tief in den Hosentaschen und… stieß auf den Vierteldollar, den er schon wieder vergessen hatte. Er blieb stehen und betrachtete wieder das Geldstück, dann drehte er sich um, blickte die Treppe zum Casino hinauf und sah dort am oberen Ende einen Spielautomaten stehen: es war ein Einarmiger-Bandit.

Er schüttelte den Kopf, murmelte „Egal“ vor sich hin, trabte die Treppe hinauf, steckte den Vierteldollar in den Automaten und zog den Hebel. Ratternd setzte sich das Räderwerk in Bewegung und – KLACK – KLACK – KLACK- kamen die Anzeigen zum Stehen.

Plötzlich ertönte eine laute Sirene und bunte Lichtblitze tauchten den völlig verdutzt schauenden Mann in blendende Helligkeit. Die Ursache für den Lärm war der Automat. Der Koch hatte mit seinem Vierteldollar den Jackpot geknackt und die Maschine hörte gar nicht mehr auf, Münzen auszuspucken, die wie ein goldener Fluss auf den Boden rauschten.  Menschen kamen auf ihn zu, um zu gratulieren und halfen ihm, das Geld einzusammeln. Mit seinem neuen Schatz rannt er, so schnell er konnte, nach Hause, zahlte alle Schulden, kaufte sein Restaurant zurück, erwarb, Töpfe, Pfannen und was er alles brauchte und eröffnete sein Restaurant nach kurzer Zeit wieder. Er kochte jetzt einfach und für kleines Geld und viele Menschen kamen in sein Restaurant. Er hatte so viel Erfolg, das er bald ein zweites, dann ein drittes Restaurant eröffnen konnte und schließlich eine ganze Kette von Restaurants in ganz Amerika besaß.

In einem Fernsehinterview fragte ihn nach vielen Jahren ein Journalist nach seinem Erfolg und der Koch erzählte seine Geschichte in der Spielbank. „Tatsächlich, eine erstaunliche Geschichte, mein Herr, aber, haben Sie sich nicht gefragt, was aus dem Herrn wurde, der Ihnen den Vierteldollar in die Hand drückte?“ Nach kurzem Nachdenken antwortete der Koch freundlich:

„Nein – Aber es würde mich interessieren, was aus dem Mann geworden ist, der mir die Tür öffnete!“

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Die verwendeten Fotografien stammen ohne Ausnahme aus dem Internet und dienen nur dem Zweck, den Text optisch aufzulockern. Sollte dabei gegen bestehendes Urheberrecht verstoßen worden sein, dann bitte ich einerseits um Entschuldigung, andererseits um Mitteilung und werde das betreffende Foto dann sofort wieder entfernen. Dennoch viel Spaß beim Schmökern auf dieser Seite...